Moers – aktiv gegen Rechts

Moers war im Dritten Reich „keine Insel der Seligen“, wie der frühere Bundesminster Dr. Jürgen Schmude und Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland 1994 in seinem Vorwort zu der Dokumentation „Tatort Moers“ formulierte.

Dies gilt bereits für die 1920er Jahre, als am Karfreitag 1927 der jüdische Friedhof geschändet wurde. In der Dokumentation „Geschichte der Moerser Juden nach 1933“ von Brigitte Wirsbitzki heißt es: „Nach Ansicht und Empfinden der heute noch lebenden früheren Moerser Juden war diese Stadt extrem nationalsozialistisch. Ein jüdischer Zeitzeuge bezeichnete Moers als ‚Hochburg des Antisemitismus‘. Schon vor 1933 herrschte in Moers eine überzogene deutsch-nationale Grundstimmung…“

  • Dokumentation „Wir sind bunt, nicht braun“ (6.1 MB) zur Moerser Menschenkette 2012
  • Ansprechpartner/innen in Moers sowie Links gegen Rechtsextremismus finden Sie auf der Seite 40 (26 KB) unserer Dokumentation.

Auch in Moers gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder rechtsextreme Übergriffe und fremdenfeindliche Äußerungen – Auswahl:

  • 1991, August: Brandanschlag auf ein Übergangswohnheim (Wohn-container) von Asylsuchenden in der Rathaus-Allee in Moers-Utfort
  • 2000, November: es wird bekannt, dass der Kamp-Lintforter CDU-Vorsitzende Bernd Ueffing Asylsuchende in einem Wohncontainer an der Friedrichstraße als „Kakerlaken aus dem Urwald“ bezeichnet hat; Rücktritt und spätere Kandidatur für die Schill-Partei
  • 2000, Dezember: Beschmieren der Mahnstätte mit den Namen jüdischer Schüler am Gymnasium Adolfinum
  • 2000, Silvester: Bei einem Überfall auf die Moschee an der Römerstraße zerstören rechtsextreme Jugendliche Fenster, Türen und Teilen der Inneneinrichtung; 2001 mit Bewährungsstrafen für die Jugendlichen geahndet
  • 2005, April: 10-15 Rechtsextreme nötigen einen Afrikaner im Zug von Duisburg nach Moers: „Da drüben steht eine schwarze Neger-Sau“
  • 2007, September: der bereits 2003 zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Moerser Rechtsextremist Kevin Giuliani muss in Verschärfung eines Urteils des Amtsgerichtes Moers doch für 9 Monate ins Gefängnis.
  • 2008, Juni: Dritter Auftritt der rechtsextremen Hooligan-Band „Kategorie C / Hungrige Wölfe“ im „Club Coyote“ in der Kirschenallee; unter dem Eindruck der Proteste gibt der Wirt im Jahr 2009 auf.
  • wird noch ergänzt
  • 2018, Mai – Oktober: wiederholte Stolperstein-Schändungen und Hakenkreuzschmierereien in Moers-Vinn

Hierüber, aber auch über die Maßnahmen zur Gegenwehr, gibt es bei der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Moers (Foto) eine mehrere Ordner umfassende Sammlung von Presseberichten, Flugblättern und Programmen aus den vergangenen Jahrzehnten.

Erfolgreiche Aktionen und Gegenaktionen – Auswahl:

  • 1969 große Demonstration gegen das Auftreten des NPD-Spitzen-kandidaten Adolf von Thadden auf dem Friedrich-Ebert-Platz (Foto)
  • 1987 Einweihung des jüdischen Torbogens in der Altstadt
  • 1988 große Demonstration des DGB und anderer Organisationen gegen den NPD-Parteitag
  • 2000 Einweihung des Mahnmals zu Ehren des Kreis Moerser Widerstandes gegen die NS-Diktatur
  • 2003 und 2005 Gegendemonstrationen gegen die Aufmärsche von Rechtsextremisten mit Christian Worch
  • 2009 Gemeinsamer Antrag von 5 (der 6) im Moerser Stadtrat vertretenen Parteien zum „Moerser Signal gegen Rechtsextremismus“
  • 2012 Menschenkette gegen Rechts am 28. Januar unter dem Motto „Wir sind bunt, nicht braun“ zwischen dem Moerser Widerstands-mahnmal und dem jüdischen Torbogen – Protest gegen die NSU-Mordserie und das Verhalten der Sicherheitsbehörden (Foto)
  • 2013 Beginn der Stolpersteinlegungen in Moers, Podiumsdikussion am 30. Januar zum Rechtsextremismus mit den Parteien des Moerser Stadtrates im Gymnasium Adolfinum, koordiniert von „Wir sind bunt, nicht braun“
  • wird noch ergänzt

Beiträge zu Aktiv gegen Rechts

Gedenken zum 20. Juli auch in Moers – Lernen aus der Geschichte

Am Vormittag des 20. Juli wurde auch in Moers des 75. Jahrestags des Attentats auf Diktator Adolf Hitler öffentlich gedacht.  Mitglieder und Freunde des Vereins „Erinnern für die Zukunft“ und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit kamen am Moerser Widerstandsmahnmal  vor dem Alten Landratsamt zu einer Gedenkstunde zusammen, um Blumen für die mutigen Frauen und Männer…

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Resolution des Rates der Stadt Moers – Gegen Extremismus und für Stolpersteine

Vor dem Hintergrund der mit schwarzer Farbe beschmierten Stolpersteine sowie durch NAZI-Schmierereien beschädigte Privathäuser in Moers haben alle Mitglieder des Rates eine gemeinsame Resolution verabschiedet: „Der Rat der Stadt Moers verurteilt die Schändungen der in Moers verlegten Stolpersteine sowie die Schmierereien mit nationalsozialistischen Hetzparolen und Nazi-Symbolen auf das Schärfste. Der Rat der Stadt Moers steht…

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Hunderte Demonstranten gegen Hetze und Hass in Moers

Breiter Zuspruch für weitere Verlegungen und keine Entfernung gelegter Steine. Mehrere hundert Demonstanten kamen am 28.08.2018 zum Königlichen Hof in Moers um gegen Hetze und Hass zu protestieren. Aufgerufen zur Demonstration hatte das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, das ein Zeichen gegen die AfD (Alternative für Deutschland) setzen wollte. Hajo Schneider vom Bündnis führte aus,…

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Gegen Hass und Hetze

Öffentliche Demonstration des Bündnisses für Tolerenz und Zivilcourage zusammen mit dem Verein Erinnern für die Zukunft am 28.08.2018, 18.30 Uhr, am Königlichen Hof In der Nacht vom 17. auf den 18. August 2018 wurden im Bereich der Filder Straße in Moers erneut Stolpersteine besprüht. Erstmals wurden dabei Häuserwände und eine KiTa mit Hakenkreuzen und rassistischen…

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